Was meinst du eigentlich genau, wenn du im Vaterunser die Worte „Dein Reich komme“ sprichst? Sehnst du dich nach einem äußerlich angenehmen Leben oder bist du bereit, Jesus Christus die alleinige Regierung in deinem Herzen zu überlassen? Und wie kann eine einfache Packung Taschentücher oder zu viel herausgegebenes Wechselgeld an der Supermarktkasse dazu führen, dass Gottes unsichtbares Königreich plötzlich mitten unter uns sichtbar wird?
In dieser tiefgehenden Predigt nimmt uns Thomas Lange mit in den zweiten Teil der Reihe zum Vaterunser (Lukas 11,1–4) und zeigt uns, wie die großen Bitten um Gottes Ehre, sein Reich und seinen Willen unseren ganz praktischen Alltag auf den Kopf stellen.
Um mit Gott ins Gespräch zu kommen, brauchst du keinen vorgefertigten Brief und keine geschliffene Rede. Du darfst einfach so, wie du bist, in seine Gegenwart treten und mit ihm reden. Mit dieser befreienden Wahrheit beginnt unser Blick auf das wohl bekannteste Gebet der Christenheit: das sogenannte Vaterunser, das Gebet des Herrn, das Jesus selbst uns überliefert hat.
Wenn wir uns den Bibeltext aus dem Lukasevangelium anschauen, begegnen wir einer Szene voller Ehrfurcht und Lernbereitschaft. Lesen wir dazu Gottes heiliges Wort aus Lukas 11,1–4 (Schlachter 2000):
„Und es begab sich, dass er an einem Ort im Gebet war; und als er aufhörte, sprach einer seiner Jünger zu ihm: Herr, lehre uns beten, wie auch Johannes seine Jünger lehrte! Da sprach er zu ihnen: Wenn ihr betet, so sprecht: Unser Vater, der du bist im Himmel, geheiligt werde dein Name! Dein Reich komme! Dein Wille geschehe, wie im Himmel, so auch auf Erden! Gib uns täglich unser nötiges Brot! Und vergib uns unsere Sünden, denn auch wir vergeben jedem, der uns etwas schuldig ist! Und führe uns nicht in Versuchung, sondern erlöse uns von dem Bösen!“
— Lukas 11,1–4 (Schlachter 2000)
Bevor wir tief in die zweite und dritte Bitte eintauchen, lohnt sich ein Blick auf die wunderbare Struktur dieses Gebets. Insgesamt umfasst das Vaterunser sechs Bitten, die sich in zwei klare Hälften teilen: In den ersten drei Bitten (Vers 2) geht es ausschließlich um die Ehre und die Größe Gottes. Erst im zweiten Teil (ab Vers 3 und 4) richten sich die anderen drei Bitten auf die täglichen Notwendigkeiten und Bedürfnisse für uns Menschen – verkörpert etwa in der Bitte um das tägliche Brot.
Schon die erste Bitte „Geheiligt werde dein Name“ macht diesen Maßstab deutlich: Gott ist an sich vollkommen heilig. Er ist völlig getrennt von der Finsternis, völlig getrennt von der Sünde und steht allein für sich. Wenn wir also beten, dass sein Name geheiligt werde, machen wir ihn nicht erst heilig. Vielmehr bitten wir darum, dass er in unserem persönlichen Leben noch mehr die erste Stelle einnimmt, dass wir seine Größe, Schönheit und Erhabenheit verinnerlichen und uns vor Augen halten: Alles, was ich habe, und mein ganzes Leben habe ich allein ihm zu verdanken. Wohl dem Menschen, der das niemals vergisst! Denn wo eine Gesellschaft diese Gottesfurcht verliert – eine Haltung, die bis vor fünf oder sechs Jahrzehnten auch in unserer Kultur noch viel selbstverständlicher war –, dort gerät das gesamte Fundament ins Wanken.
Zentrale Botschaft: Wenn wir „Dein Reich komme“ beten, bitten wir nicht darum, dass Gott unser Leben einfach nur angenehm macht, sondern dass Jesus Christus als König immer mehr seine Herrschaft der Wahrheit, Liebe und des Friedens in unseren Herzen und durch uns in dieser Welt aufrichtet.
Ein Königreich ohne Ländergrenzen: Was „Dein Reich komme“ wirklich bedeutet
Wenn wir heute gemeinsam beten „Dein Reich komme“, müssen wir zunächst verstehen, was mit dem Begriff „Reich“ in der Bibel überhaupt gemeint ist.
Die damalige Erwartung: Ein politischer Umsturz
Im jüdischen Denken zur Zeit Jesu war vom Alten Testament her fest verankert, dass der verheißene Retter – der Messias – bei seinem Kommen ein sichtbares, irdisches Reich aufrichten würde. Alle dachten damals: Wenn der Messias kommt, wird er die verhasste römische Besatzung niederwerfen und ein politisches Königreich hier auf der Erde aufbauen. Genau aus dieser Haltung heraus beteten die Juden damals ein ganz ähnliches Gebet wie das Vaterunser, in dem es hieß: „Herr, baue dein Königreich sichtbar vor unseren Augen!“
Selbst nach der Auferstehung Jesu saß dieses Denken noch tief in den Köpfen. In Apostelgeschichte 1,6 treten Männer an Jesus heran und fragen ihn:
„Herr, stellst du in dieser Zeit für Israel das Reich wieder her?“
— Apostelgeschichte 1,6 (Schlachter 2000)
Dahinter stand immer dieselbe drängende Frage: Gibt es jetzt endlich die sichtbare politische Veränderung in unserer Gesellschaft? Wird die Besatzung beseitigt, und fängst du jetzt äußerlich an zu regieren?
Jesu Korrektur: Ein unsichtbares Reich in Person
Diese Vorstellung war damals so stark verbreitet, dass Jesus sie grundlegend korrigieren musste. Mit der Gebetsanweisung „Dein Reich komme“ spricht Jesus direkt in dieses damalige Denken hinein und lehrt die Menschen eine völlig neue Sicht auf das Reich Gottes. Im Johannesevangelium (Johannes 18,36) stellt er unmissverständlich klar:
„Mein Reich ist nicht von dieser Welt.“
— Johannes 18,36 (Schlachter 2000)
Jesus wollte kein politisches Reich aufrichten. Es geht ihm nicht um ein territoriales Areal, nicht um ein Land im Sinne der Geografie und nicht um die Einsetzung einer irdischen Regierung. Als im Lukasevangelium (Lukas 17,20) die Pharisäer zu Jesus kommen und ihn fragen, wann das Reich Gottes denn nun komme, antwortet er ihnen ganz nüchtern:
„Das Reich Gottes kommt nicht so, dass man es beobachten könnte.“
— Lukas 17,20 (Schlachter 2000)
Wir können uns das an einem einfachen Vergleich aus unserer Gegenwart klarmachen: Wenn bei uns Bundestagswahlen stattfinden, dann sieht man buchstäblich, wie eine neue Regierung „kommt“. Man wählt jemanden ab, wählt jemanden neu oder bestätigt die bestehende Führung. Man beobachtet anschließend die Koalitionsverhandlungen, verfolgt die öffentlichen Debatten und sieht, wie Gesetze verabschiedet und umgesetzt werden. Alles daran ist äußerlich sichtbar.
Doch bei Gottes Reich kann man nicht mit dem Finger zeigen und sagen: „Siehe, dort kommt es!“ oder „Dort ist es!“. Warum nicht? Weil das Reich Gottes zunächst in Gestalt einer Person auf diese Erde gekommen ist – in der Person des Sohnes Gottes, Jesus Christus. In Matthäus 12,28 bezeugt Jesus selbst:
„Wenn ich aber die Dämonen durch den Geist Gottes austreibe, so ist ja das Reich Gottes zu euch gekommen!“
— Matthäus 12,28 (Schlachter 2000)
Mit anderen Worten sagt Jesus: Ich bin gekommen, und genau damit ist das Reich Gottes zu euch gekommen. In mir und durch mich ist es Realität geworden.
Wenn das Licht die Finsternis durchbricht
Um die Tragweite dieser Aussage zu begreifen, müssen wir den Zustand unserer Welt realistisch betrachten. Die Bibel zeigt uns, dass diese ganze Welt ein Reich der Finsternis ist. Sie liegt im Bösen, unter dem Herrschaftsbereich des Teufels, des Satans und der finsteren Mächte.
Und genau in diese finstere Welt hinein kommt Jesus! Wenn wir auf Weihnachten blicken, erinnern wir uns genau daran, was der eigentliche Sinn dieses Festes ist: Der Stern von Bethlehem leuchtete auf, die Finsternis wurde Licht, und der wahre König wurde geboren, dem die drei Abgesandten aus dem Nahen Osten ihre Geschenke brachten. Als dieser König auf die Erde kam, durchbrach er die Herrschaft der Finsternis. Er band denjenigen, der die Macht über die Finsternis hatte – den Teufel –, sodass dieser nicht mehr die Macht besaß wie zuvor. Jesus kam, um zu befreien. Weil das Licht immer stärker ist als die Finsternis, erwies sich Jesus als der wirkliche Herrscher. Seitdem baut er sein Reich mitten in dieser dunklen Welt durch die Menschen, die zu ihm gehören.
Nicht in bloßen Worten, sondern in göttlicher Kraft
In den Reichen und Regierungen dieser Welt hören wir oft große Reden, die sich am Ende als bloßer Schall und Rauch entpuppen. Im Reich Gottes ist das vollkommen anders. Im ersten Brief an die Korinther (1. Korinther 4,20) heißt es dazu:
„Denn das Reich Gottes besteht nicht in Worten, sondern in Kraft.“
— 1. Korinther 4,20 (Schlachter 2000)
Im Reich Gottes wird tatsächlich etwas umgesetzt, hier passieren echte Taten der Veränderung! Durch die Kraft Gottes werden Menschen heil und gesund an ihrer Seele – und oft auch am Körper. Menschen werden von innen heraus neu gemacht. Wo Gottes Kraft wirkt, breiten sich tiefe Freude, echter Frieden und wahrer Lebenssinn aus.
Martin Luther hat dieses Wesen des Reiches Gottes in seiner Schrift „Auslegung deutsch des Vaterunsers für die einfältigen Laien“ (ein wunderbares altes Werk, zu dessen Zielgruppe der „einfältigen Laien“ wir uns alle zählen dürfen) treffend auf den Punkt gebracht:
„Das Reich Gottes ist dort, wo Gottes Wille regiert.“
— Martin Luther (Auslegung deutsch des Vaterunsers für die einfältigen Laien)
Das Reich Gottes wohnt also in den Herzen derer, die zu Jesus Christus gehören. Wenn du an Jesus glaubst, dann ist er dein König, und du gehörst direkt an seinen Königshof.
Jedes Königreich hat in seiner Mitte einen Thron, auf dem der Regierende sitzt. In der irdischen Politik unseres Landes steht an der Spitze der Regierung der Bundeskanzler, in anderen Ländern ist es der Präsident. Aber im Reich Gottes sitzt Jesus Christus selbst auf dem Thron! Er hat das Zepter in der Hand. Schon das Alte Testament ist voll von diesem wunderbaren Gedanken, etwa in Psalm 103,19, wo beschrieben wird, dass sein Thron im Himmel steht und seine Königsherrschaft über alles regiert – ein ewiges Reich.
Der krasse Gegensatz zur Gesellschaft
Vergleichen wir einmal unsere heutige Gesellschaft mit diesem Königreich Gottes. Der Unterschied könnte fundamentaler nicht sein:
- In der Welt: Hier herrschen oft Vetternwirtschaft, das Streben nach Macht, Ansehen und Geldgier. Armut und Reichtum sind ungleichmäßig verteilt, vieles ist negativ ausgerichtet, gefährlich und geistlich dunkel.
- Im Reich Gottes: Hier herrscht das genaue Gegenteil! Hier regieren Wahrheit, Liebe, Einmütigkeit und Frieden. Auf dem Thron sitzt einer, der vollkommen weiß, was das Beste für uns ist, und der es auch umsetzt – heute noch unsichtbar in unseren Herzen und in seiner Gemeinde (seiner Kirche), in der der Heilige Geist wohnt, und eines Tages ganz real und sichtbar, wenn Jesus Christus auf diese Erde wiederkommen wird, um sein ewiges Friedensreich aufzurichten.
Deshalb verstehen wir in diesem Licht auch den bekannten Vers aus der Bergpredigt in Matthäus 6,33 viel besser:
„Trachtet vielmehr zuerst nach dem Reich Gottes und nach seiner Gerechtigkeit, so wird euch dies alles hinzugefügt werden!“
— Matthäus 6,33 (Schlachter 2000)
Was heißt es, zuerst nach dem Reich Gottes zu trachten? Es bedeutet, zuerst im Blick zu haben, dass Gott das Höchste ist. Es bedeutet, zuerst seine Ehre zu suchen und nach den göttlichen Werten der Heiligen Schrift zu leben. In einer Welt, in der fast alles gegen die Maßstäbe Gottes gerichtet ist, kostet es oft Überwindung und einen bewussten Entschluss, der biblischen Wahrheit treu zu bleiben. Es ist mitunter schwer. Aber jeder, der diesen Schritt geht, kann aus eigener Erfahrung bezeugen: Es ist immer die Seite des Segens und des Gewinns! Gott hat versprochen, uns zu stärken, uns Kraft zu geben und uns mit allem Nötigen zu versorgen. Und was Gott verspricht, das hält er auch.
Wie das Reich Gottes durch dich im Alltag sichtbar wird
Wenn Menschen aus deinem Umfeld wissen, dass du früher vielleicht ungläubig warst und nun gläubig bist, und sie beobachten, wie sich deine Maßstäbe und dein Verhalten verändert haben, dann sehen sie durch dein Leben das unsichtbare Reich Gottes! Wenn wir beten „Dein Reich komme“, bitten wir darum, dass sich Gottes Herrschaft zuerst in unserem eigenen Leben ausbreitet und dadurch auch viele andere Menschen erreicht, die ihn noch nicht kennen.
Wie einfach und zugleich tiefgreifend das im Alltag aussieht, zeigen ganz praktische Beispiele aus dem echten Leben:
1. Die Geschichte mit der Zahnpasta im Pflegeheim
Aus der Zeit der Arbeit in der Altenpflege gibt es eine Begebenheit, die man nie vergisst: In einem Pflegeheim lebte eine ältere Bewohnerin, die körperlich nicht mehr in der Lage war, selbst einkaufen zu gehen. Unter den Pflegekräften gab es eine gläubige Mitarbeiterin, die dieser Frau immer wieder kleine Dinge aus der Stadt mitbrachte – einfach nur alltägliche Kleinigkeiten wie Zahnpasta oder Tempotaschentücher.
Eines Tages war die ältere Dame so bewegt von dieser beständigen Fürsorge, dass sie die Mitarbeiterin fragte, warum sie das eigentlich immer wieder für sie tue. Die Pflegerin gab ihr eine einfache, aber tiefgehende Antwort: „Weil ich jeden Tag erfahre, wie gut Gott zu mir ist, wie er mir hilft und wie er unverdient jeden Tag gnädig zu mir ist – deswegen helfe ich Ihnen und anderen.“
Diese Antwort saß. Sie rührte die Heimbewohnerin bis zu Tränen. Und was war die Folge? Wegen einer so scheinbar kleinen Sache wie dem Besorgen von Taschentücher und Zahnpasta begann diese ältere Frau, in der Bibel – der Heiligen Schrift – zu lesen! In diesem Moment wurde das Reich Gottes durch gelebte Nächstenliebe sichtbar und breitete sich direkt in das Herz eines anderen Menschen aus. So einfach geht das!
2. Ehe, Familie und die einzigartige Gemeinschaft der Gemeinde
Wir dürfen und sollen Gottes Reich persönlich und als gesamte Gemeinde präsentieren, indem wir nach den biblischen Maßstäben leben:
- In der Ehe: Jedes Mal, wenn du als Mann oder Frau mit deinem Ehepartner so umgehst, wie Gott es in seinem Wort sagt – nämlich liebevoll und dienend –, zeigst du das Reich Gottes. Oft beobachten andere Menschen diesen Umgang miteinander, fangen an, es nachzuahmen, und schon verbreitet sich Gottes Reich weiter.
- In der Familie: Wenn Kinder sich (ein intaktes Verhältnis zum Elternhaus vorausgesetzt) ihren Eltern unterordnen und nicht aufsässig sind, machen sie Gottes gute Ordnung und seine Maßstäbe in dieser Welt sichtbar.
- In der Gemeinde: In der Welt draußen treffen sich Menschen fast nur in gleichen Interessengruppen. Nirgendwo sonst auf der Welt findet man einen solchen Mix an völliger Unterschiedlichkeit in Bezug auf Alter, Interessen, Aussehen und Herkunft wie in der Kirche Jesu Christi, weil Gott selbst diese Menschen zusammengerufen hat. Jedes Mal, wenn wir uns trotz all dieser Unterschiede herzlich, freundlich und in liebender Zuvorkommenheit begrüßen und begegnen, wird das Reich Gottes mitten unter uns sichtbar.
3. Klarheit in ethischen Fragen und Zivilcourage
Das Reich Gottes zeigt sich auch dort, wo wir den anderen höher achten als uns selbst oder wo wir im Alltag mutig für Gottes Wahrheit einstehen:
- Unrecht beim Namen nennen: Wenn in einem Gespräch Dinge für gut befunden werden, die gegen Gottes Gebote verstoßen – wie etwa beim Thema Abtreibung –, und du klar, aber bestimmt den Maßstab Gottes vertrittst und sagst, dass Abtreibung falsch und Mord im Mutterleib ist, oder wenn du dich klar gegen das Unrecht von Krieg aussprichst, dann wird das Reich Gottes sichtbar. Andere fangen dadurch vielleicht überhaupt erst an, darüber nachzudenken, was Sünde und Unrecht vor Gott ist.
- Für Schwache einstehen: Jedes Mal, wenn du bemerkst, dass ein anderer Mensch ungerecht behandelt wird, und du mutig für ihn Partei ergreifst, repräsentierst du die Gerechtigkeit des Reiches Gottes.
4. Ehrlichkeit beim Finanzamt und an der Supermarktkasse
Auch im Umgang mit Geld und Besitz leuchtet Gottes Herrschaft im Alltag auf:
- Steuerehrlichkeit: Wenn du keine Steuern hinterziehst – selbst dann nicht, wenn „alle anderen“ es tun –, zeigst du die Ehrlichkeit des Reiches Gottes.
- Das Wechselgeld an der Kasse: Stell dir vor, du stehst an der Supermarktkasse, bekommst versehentlich zu viel Wechselgeld heraus, bemerkst es und gibst es sofort ehrlich zurück. In diesem Moment lebst du nicht nur Gottes Maßstäbe, sondern erntest oft das offene Staunen der Kassiererin und der Leute, die hinter dir in der Schlange stehen. Sie beginnen sich zu fragen: „Warum macht der das?“
5. Vergebung, Investition und Hoffnung mitten im Leid
Darüber hinaus wird Gottes Herrschaft in unseren tiefsten Herzenshaltungen erkennbar:
- Vergebung statt Vergeltung: Immer wenn du Hass nicht mit Hass vergiltst, sondern mit Liebe antwortest; immer wenn du jemandem vergibst, der dich verletzt hat, und nicht zurückschlägst, wird Gottes Reich Realität.
- Hingabe für andere: Wenn du jemandem in einem seelsorgerlichen Gespräch anhand der Bibel einen guten Rat gibst oder wenn du deine Zeit, dein Geld, deine Kraft und deine Begabungen um Jesu willen in andere Menschen investierst, baust du an seinem Reich.
- Hoffnung in Schmerz und Krankheit: Wir erleben alle, dass das Leid in der Welt, aber auch das persönliche Leid oft zuzunehmen scheint. Vielleicht stehst du gerade in massiven Herausforderungen: Vielleicht erlebst du Mobbing, trägst tiefe Schmerzen aus deinem Elternhaus mit dir herum, kämpfst mit seelischen Problemen und Depressionen oder leidest unter schweren körperlichen Krankheiten und Schmerzen. Wenn du mitten in diesem Leid ganz anders damit umgehst als der Rest der Welt – weil du trotzdem den Wunsch hast, froh nach oben zu schauen und an deiner Hoffnung in Christus festzuhalten –, dann strahlt das Reich Gottes durch dein Leben! Und die Heilige Schrift gibt uns die wunderbare Verheißung, dass jede dieser treuen Haltungen einmal hundertfach vergolten wird.
„Dein Wille geschehe“: Das Testament unseres Vaters
Die dritte Bitte des Vaterunsers – „Dein Wille geschehe, wie im Himmel, so auch auf Erden“ – lässt sich von der Bitte um Gottes Reich gar nicht trennen. Beide gehören untrennbar zusammen, fast wie ein einziger durchgehender Gedanke. Wenn ich ehrlich darum bete, dass Gottes Reich kommt, dann schließt das automatisch ein, dass ich auch seinen Willen in meinem Leben umsetzen möchte.
Wie gut fügen sich hier noch einmal Luthers Worte ein: Das Reich Gottes (die zweite Bitte) ist genau dort, wo Gottes Wille (die dritte Bitte) regiert!
Deshalb dürfen wir jeden Tag neu beten: „Herr, lass mich immer mehr verstehen, was dein guter Wille ist!“ Und wo finden wir diesen Willen? Wir müssen nicht im Nebel stochern. Im deutschen Sprachgebrauch nennen wir den letzten Willen eines Menschen, in dem er schriftlich festhält, was geschehen soll, ein Testament. Genau daher stammt die Bezeichnung für die beiden Teile unserer Bibel: das Alte Testament und das Neue Testament. „Testament“ bedeutet hier schlicht der überlieferte Wille Gottes! In der gesamten Heiligen Schrift hat Gott uns seinen vollkommenen Willen schriftlich hinterlassen, damit wir ihn kennen, lieben und im Alltag leben können.
Impulse zum Mitnehmen für deine Woche
- Prüfe den Thron deines Herzens: Mache dir im Gebet immer wieder bewusst, dass „Dein Reich komme“ keine Bitte um persönliche Bequemlichkeit ist, sondern die Einladung an Jesus Christus, als König über deine Gedanken, Worte und Entscheidungen zu regieren.
- Suche zuerst Gottes Ehre (Matthäus 6,33): Wenn du vor schwierigen Entscheidungen stehst, frage nicht zuerst nach deinem eigenen Vorteil, sondern nach den Maßstäben der Heiligen Schrift. Vertraue Gottes fester Zusage, dass er sich um alles kümmert, was du zum Leben brauchst, wenn du sein Reich an die erste Stelle setzt.
- Nutze die kleinen Gelegenheiten der Nächstenliebe: Denke an das Beispiel mit der Zahnpasta im Pflegeheim. Halte in dieser Woche bewusst die Augen offen, wo du einem Nachbarn, Kollegen oder Familienmitglied ganz praktisch dienen kannst – und sei bereit, freundlich Auskunft zu geben, dass Gottes unverdiente Gnade deine Motivation ist.
- Lebe kompromisslose Ehrlichkeit: Ob bei der Steuererklärung, im Berufsalltag oder beim Wechselgeld an der Supermarktkasse: Sei ein Botschafter des Reiches Gottes, indem du Wahrheit und Ehrlichkeit lebst, auch wenn die Welt um dich herum andere Wege geht.
- Halte in Herausforderungszeiten an Gottes Maßstäben fest: Wenn du gerade unter Unrecht, Mobbing, seelischer Belastung oder körperlicher Krankheit leidest, lass dich ermutigen, nicht mit Bitterkeit oder Gegenschlägen zu reagieren. Begegne den Situationen liebend, vergebend, ertragend und zugleich für das Recht einstehend – im festen Blick auf Gottes ewigen Segen.
Abschluss & Einladung
Wenn du heute auf deinen Alltag blickst – auf deine Ehe, deinen Arbeitsplatz, deine Nachbarschaft oder deinen Umgang mit Leid und Herausforderungen: An welcher ganz konkreten Stelle möchtest du in dieser Woche beten „Dein Reich komme, dein Wille geschehe“ und durch deine Reaktion ein Stück von Gottes Liebe, Wahrheit und Frieden sichtbar machen?
Wir laden dich von Herzen ein, diesen Weg des Glaubens nicht allein zu gehen! Komm gerne in einem unserer nächsten Gottesdienste vorbei, erlebe die bunte, herzliche Gemeinschaft von Menschen unterschiedlichster Herkunft und lass uns gemeinsam aus Gottes Wort Kraft für den Alltag schöpfen. Wir freuen uns auf dich!

Fragen und Antworten zur Predigt
Mit dieser Bitte beten wir nicht um ein politisches oder geografisches Land, sondern darum, dass Jesus Christus seine unsichtbare Herrschaft der Liebe, Wahrheit und des Friedens immer mehr in unseren eigenen Herzen aufrichtet und noch viele weitere Menschen auf dieser Welt zum Glauben an ihn finden.
Das Vaterunser in Lukas 11,1–4 gliedert sich in sechs Bitten: Die ersten drei Bitten (Geheiligt werde dein Name, dein Reich komme, dein Wille geschehe) stellen vollkommen die Ehre und Größe Gottes in den Mittelpunkt, während die darauffolgenden drei Bitten unsere täglichen menschlichen Bedürfnisse wie Nahrung, Vergebung und Bewahrung behandeln.
Obwohl die Menschen damals hofften, der Messias würde die römische Besatzung politisch stürzen, stellte Jesus in Johannes 18,36 klar, dass sein Reich nicht von dieser Welt ist; er kam stattdessen, um die geistliche Macht der Finsternis und des Teufels zu durchbrechen und Menschen innerlich an ihrer Seele zu befreien.
Das Reich Gottes kam zuerst in der Person von Jesus Christus auf die Erde und wohnt heute durch den Heiligen Geist unsichtbar in den Herzen aller Gläubigen sowie in der christlichen Gemeinde – überall dort, wo Gottes Wille im Leben von Menschen regiert.
Nach Matthäus 6,33 bedeutet es, Gott, seine Ehre und die göttlichen Werte der Bibel im Alltag an die allererste Stelle zu setzen; wer diese Entscheidung trifft, darf sich auf Gottes festes Versprechen verlassen, dass er uns segnet und uns alles gibt, was wir für unser Leben benötigen.
Das Reich Gottes wird durch einfache, gelebte Taten nach biblischen Maßstäben sichtbar – beispielsweise durch hilfsbereite Nächstenliebe (wie kleine Besorgungen für ältere Menschen), einen liebevollen Umgang in der Ehe, Steuerehrlichkeit, das ehrliche Zurückgeben von zu viel Wechselgeld an der Kasse oder die Bereitschaft zur Vergebung.
Auch in tiefen Belastungen wie seelischem Leid, Depressionen, körperlichen Schmerzen oder erlittenem Unrecht sind wir ermutigt, nicht zurückzuschlagen, sondern nach Gottes Maßstäben liebend, vergebend und mit dem hoffnungsvollen Blick nach oben zu reagieren, wofür Gott in seinem Wort großen Segen und hundertfache Vergeltung in der Ewigkeit verheißt.
Beide Bitten bilden eine untrennbar Einheit, denn wie schon Martin Luther betonte, ist das Reich Gottes genau dort, wo Gottes Wille regiert; wer also um das Kommen und Wachsen von Gottes Reich betet, erklärt sich gleichzeitig bereit, Gottes Willen im eigenen Leben umzusetzen.
Gottes Wille ist uns in der gesamten Bibel überliefert, weshalb ihre beiden Teile auch „Altes Testament“ und „Neues Testament“ heißen – angelehnt an den Begriff des Testaments, das als „letzter Wille“ genau festhält, was Gott uns an Maßstäben und Wahrheiten hinterlassen hat.
Nein, während die Königsherrschaft Jesu heute noch unsichtbar in den Herzen der Gläubigen und in der Gemeinde wirkt, wird das Reich Gottes eines Tages für alle Welt sichtbar aufgerichtet werden, wenn Jesus Christus tatsächlich auf diese Erde wiederkommt und sein ewiges Friedensreich vollendet.








