Was nützt der beste theologische Verstand, wenn das Herz an der Not des anderen vorbeigeht? Warum ist ausgerechnet die eigene Selbstgerechtigkeit das größte Hindernis für echte Nächstenliebe? Und wie verwandelt sich biblisches Wissen in tätiges Erbarmen?
In dieser Predigt nimmt uns Prediger Thomas Lange mit in den bekannten Text aus Lukas 10,25–37 und deckt auf, warum das Gleichnis vom barmherzigen Samariter weit mehr ist als eine bloße moralische Aufforderung: Es ist ein schonungsloser Spiegel für unser eigenes Herz.
Wer kennt sie nicht, die berühmte Erzählung vom barmherzigen Samariter? Selbst in der säkularen Welt ist diese Begebenheit aus dem Lukasevangelium tief verankert. Ob im Namen des Arbeiter-Samariter-Bundes oder als historisches Fundament unseres gesamten Gesundheitssystems: Die Geschichte ist ein Allgemeingut geworden. Viele von uns erinnern sich an Kinderbibeltage, den Konfirmandenunterricht oder an eindrückliche Anspiele im Gottesdienst. Doch gerade weil uns diese Erzählung so vertraut ist, droht die Gefahr, an ihrer radikalen Tiefenschärfe vorbeizuhören.
Jesus erzählt hier nicht einfach eine herzerwärmende Anekdote über zwischenmenschliche Hilfsbereitschaft. Dieses Gleichnis fügt sich nahtlos an die grundlegenden Fragen unseres Glaubenslebens an: Was nützt ein Glaube ohne Barmherzigkeit? Was hindert uns eigentlich daran, so mit unseren Mitmenschen umzugehen, dass Gott geehrt wird und ihnen wirklich Gutes widerfährt? Und vor allem: Was ist der göttliche Schlüssel, um im Alltag echte Nächstenliebe zu praktizieren?
„Selbstgerechtigkeit ist das größte Hindernis für ein barmherziges Miteinander. Erst wenn du begreifst, dass du selbst jeden Tag vollkommen von Gottes Barmherzigkeit abhängig bist, kannst du deinem Nächsten auf Augenhöhe und in echter Liebe begegnen.“
Um die Tragweite dieser Botschaft zu verstehen, müssen wir den gesamten Abschnitt in Lukas 10,25–37 in den Blick nehmen. Hier begegnen uns zwei fundamentale Wahrheiten, die untrennbar miteinander verwoben sind. Jesus entfaltet sie vor uns anhand von drei klaren Beobachtungen: einer provokanten Frage, einer ernüchternden Antwort und einer Lektion fürs Leben.
1. Eine provokante Frage (Lukas 10,25)
Die Szene setzt mit einer folgenreichen Begegnung ein. Ein Gesetzesgelehrter tritt an Jesus heran. Ein solcher Schriftgelehrter war kein oberflächlicher Leser; diese Männer verbrachten Tage und Jahre damit, die hebräische Schrift und das Gesetz des Alten Testaments Buchstabe für Buchstabe zu analysieren. Sie kannten die Texte in- und auswendig. Doch hinter der scheinbar frommen Fassade verbirgt sich ein ernüchternder Zustand:
„Und siehe, ein Gesetzesgelehrter trat auf, versuchte ihn und sprach: Meister, was muss ich tun, um das ewige Leben zu erben?“
— Lukas 10,25
Bei genauerem Hinsehen entpuppt sich dieser Mann als arrogant, stolz und tief selbstgerecht. Er kommt nicht als aufrichtig Suchender, der Orientierung ersehnt. Sein Motiv ist unlauter: Er will Jesus auf die Probe stellen, ihn verführen und ihm Worte entlocken, mit denen man ihn festnageln und anklagen könnte.
Doch Jesus durchschaut das Herz seines Gegenübers vollkommen. Er weicht der bösen Absicht nicht einfach aus, sondern ergreift die Frage und lenkt sie in eine heilsame Richtung, die bis auf den Grund der menschlichen Existenz zielt. Denn das Erstaunliche ist: Eine richtige Frage verliert ihre existenzielle Gültigkeit nicht, nur weil sie von einem fragwürdigen Mann mit widrigen Absichten gestellt wird!
Die Frage: „Was muss ich tun, um das ewige Leben zu erben?“ trifft den eigentlichen Nerv eines jeden Menschen. Die Heilige Schrift lässt keinen Zweifel daran, dass alle Menschen von Natur aus verloren sind. Wir alle sind sterbende Sünder, die unaufhaltsam auf eine ewige Grenze zusteuern. Jedes ehrliche Menschenherz spürt tief in sich, dass diese irdische Existenz nicht das Ende ist. Wir wissen, dass ein Moment kommt, an dem wir das Diesseits verlassen und ins Jenseits hinübertreten müssen.
Der Hebräerbrief formuliert diesen Ernst unmissverständlich:
„Und so gewiss es den Menschen bestimmt ist, einmal zu sterben, danach aber das Gericht…“
— Hebräer 9,27
Wie können wir vor unserem heiligen Schöpfer bestehen? Womit willst du, womit will ich vor Gott erscheinen? Wie können wir dem ewigen Gericht entrinnen? Das ist die unausweichliche Kernfrage, die hinter den Worten des Gesetzeslehrers steht – und sie verdient die ungeteilte Aufmerksamkeit jedes Mannes, jeder Frau und jedes Kindes.
2. Eine ernüchternde Antwort (Lukas 10,26–28)
Jesus antwortet dem Mann nicht mit einer abstrakten Theorie, sondern begegnet ihm genau auf dessen eigener Gedankenebene:
„Er aber sprach zu ihm: Was steht im Gesetz geschrieben? Wie liest du? Er aber antwortete und sprach: »Du sollst den Herrn, deinen Gott, lieben mit deinem ganzen Herzen und mit deiner ganzen Seele und mit deiner ganzen Kraft und mit deinem ganzen Denken, und deinen Nächsten wie dich selbst!« Da sprach er zu ihm: Du hast recht geantwortet; tue dies, so wirst du leben!“
— Lukas 10,26–28
Der Schriftgelehrte zitiert die Essenz des Alten Testaments fehlerfrei: die ungeteilte Liebe zu Gott und die aufrichtige Liebe zum Nächsten. Er kennt die Bibelstellen perfekt. Und Jesus bestätigt: „Du hast recht geantwortet.“
Doch an dieser Stelle liegt ein gewaltiger, folgenschwerer Knackpunkt. Dem Gesetzesgelehrten war zwar die richtige Formulierung geläufig, aber ihm war überhaupt nicht bewusst, was dieser Maßstab in seiner absoluten Konsequenz bedeutet. Er war überzeugt davon, dieses Gebot aus eigener Kraft halten zu können!
Jesus dockt an seinem Denken an und führt ihm die ernüchternde Realität vor Augen: Wenn du dir den Himmel durch eigene Leistung verdienen willst – wenn du meinst, etwas „tun“ zu können, um das ewige Leben als Lohn zu erben –, dann fordert Gott von dir nichts Geringeres als absolute Perfektion.
Der unerbittliche Maßstab des Gesetzes
Gottes heiliger Anspruch duldet keinen einzigen Fehltritt. Wer durch Werke gerecht werden will, muss das gesamte Gesetz des himmlischen Vaters lückenlos einhalten:
- In allen Gedanken zu jeder Sekunde,
- in jedem gesprochenen Wort,
- in jeder sichtbaren und unsichtbaren Tat,
- in jeder verborgenen Motivation des Charakters,
- an jedem Ort, zu jeder Zeit, in jeder Lebenslage.
Niemand darf sich hier etwas vormachen. Selbst wenn ein Mensch es schaffen würde, 99 Jahre lang ein makelloses, frommes Leben nach allen Geboten Gottes zu führen, und in der allerletzten Minute seines Lebens schlägt er einmal daneben – dann ist alles verwirkt! Das Gesetz kennt keine Gnade für den, der sich auf eigene Gerechtigkeit beruft. Es verlangt 100 Prozent.
Wer kann von sich behaupten, diesen Maßstab erfüllt zu haben? Niemand! Wir schaffen es nicht. Nimm nur das Gebot: „Du sollst nicht töten.“ Mancher denkt: „Ich habe noch nie jemanden umgebracht, also stehe ich gut da.“ Doch Jesus lehrt in der Bergpredigt, dass schon der verbitterte Zorn, das böse Wort oder die Verachtung im Herzen gegenüber dem Nächsten dem Mord gleichkommt.
Der Sinn der Zehn Gebote liegt niemals darin, dass der Mensch sich hinstellt, sich auf die Brust klopft und verkündet: „Das habe ich alles geschafft!“ Die Gebote sind unser Maßstab für ein geheiligtes Miteinander, ja – aber vor allem wurden sie uns als Zuchtmeister gegeben, damit wir erschrocken erkennen: Ich kann es nicht. Ich bin bankrott vor dem heiligen Gott. Die Gebote treiben uns dazu, unsere Blicke verzweifelt von uns selbst abzuwenden und auf den Einzigen zu richten, der das Gesetz in Perfektion für uns erfüllt hat: Jesus Christus.
Weil Gott weiß, dass keiner von uns diesen Maßstab jemals halten kann, sandte er seinen Sohn. Jesus lebte den vollkommenen Gehorsam, starb stellvertretend für unsere Sünden am Kreuz und schenkt jedem, der ihm vertraut, seine eigene Gerechtigkeit.
Die zerstörerische Kraft der Selbstgerechtigkeit
Doch der Gesetzeslehrer war meilenweit von dieser Erkenntnis entfernt. Er war in der tödlichen Falle der Selbstgerechtigkeit gefangen. Wenn ein Mensch in dem Denken verhaftet bleibt: „Ich mache alles richtig, ich stehe vor Gott wie eine Eins da und führe aus mir selbst heraus ein gerechtes Leben“, dann wird er vollkommen unfähig, anderen Barmherzigkeit zu erweisen.
Wer von sich selbst meint, alles im Griff zu haben, blickt automatisch mit Verachtung auf jene herab, die straucheln. Man hört manchmal Menschen sagen: „Ich habe in meinem Leben alles richtig gemacht.“ Welche unermessliche Anmaßung! Genau an diesen wunden Punkt stößt Jesus den Mann: Schau ehrlich in den Spiegel! Du bist nicht gerecht. Du brauchst Vergebung!
Selbstgerechtigkeit ist das Kernproblem der Menschheit. Unsere gesamte Gesellschaft leidet daran: Jeder meint, die Weisheit mit Löffeln gefressen zu haben; jeder denkt, er selbst handle tadellos und die anderen machten alles falsch. Das Ergebnis ist ein gesellschaftliches Chaos, geprägt von Kälte, Spaltung und Härte. Selbstgerechtigkeit macht blind für die eigene Schuld – und genau deshalb macht sie auch blind für das Elend des Nächsten.
3. Die Lektion fürs Leben (Lukas 10,29–37)
Anstatt angesichts des unerbittlichen Gesetzesspiegels auf die Knie zu fallen und zu bekennen: „Herr, sei mir Sünder gnädig, ich schaffe es nicht!“, tut der Schriftgelehrte das, was das gefallene Menschenherz instinktiv immer tut: Er geht in die Verteidigung.
„Er aber wollte sich selbst rechtfertigen und sprach zu Jesus: Und wer ist mein Nächster?“
— Lukas 10,29
Wieder eine Fangfrage, eine theologische Nebelkerze! Nach dem damaligen Verständnis der Schriftgelehrten galt ausschließlich der Volksgenosse, der andere Jude, als Nächster. Alle anderen Völker und Randgruppen wurden mit Verachtung gestraft; sie fielen durch das Raster der Fürsorge. Der Mann will den Kreis der Menschen, die er lieben muss, so klein wie möglich halten, um vor sich selbst gut dazustehen.
Daraufhin erzählt Jesus jenes weltberühmte Gleichnis, das direkt in unsere Zeit sprechen könnte.
Der Überfall auf dem „blutigen Weg“
Jesus schildert die Umstände drastisch:
„Da erwiderte Jesus und sprach: Es ging ein Mensch von Jerusalem nach Jericho hinab und fiel unter die Räuber; die zogen ihn aus und schlugen ihn und liefen davon und ließen ihn halbtot liegen, so wie er war.“
— Lukas 10,30
Die Wegstrecke von Jerusalem hinab nach Jericho betrug etwa 27 Kilometer. Sie führte durch eine einsame, zerklüftete Gebirgslandschaft. Der Kirchenvater Hieronymus überliefert, dass man diese Straße wegen der zahllosen brutalen Raubüberfälle damals schlicht den „blutigen Weg“ nannte.
Ein Reisender wird hier von Verbrechern umzingelt, zusammengeschlagen, bis aufs Hemd ausgezogen, ausgeraubt und verblutend im Staub liegen gelassen. In modernes Deutsch übersetzt: Ein Mensch geht nachts durch die Straßen unserer Städte, wird plötzlich von drei, vier Gestalten brutal zusammengeschlagen, verliert sein Handy, seine Geldbörse, liegt nackt, blutend und ohnmächtig auf dem Asphalt – und ringt mit dem Tod.
Drei Männer, drei Reaktionen
Nun treten nacheinander drei Männer auf denselben Weg. An ihrem Verhalten demonstriert Jesus die erschütternde Realität menschlicher Herzen:
- Der Priester (Vers 31): Er sieht den Schwerverletzten im Blut liegen. Doch anstatt anzuhalten, wechselt er die Straßenseite und eilt schnurstracks vorbei.
- Der Levit (Vers 32): Er tritt hinzu, sieht das unfassbare Elend – und geht auf der anderen Seite vorüber. Er kümmert sich keinen feuchten Kehricht um das Leid des Sterbenden.
Beide Männer waren geistliche Würdenträger. Sie dienten im Tempel, kannten die Schriften und hielten sich zweifellos für gottesfürchtig. Doch in ihren Herzen herrschte eisige Leere: kein Mitleid, kein Schmerz über das Leid des Bruders, kein Funke Erbarmen. Heute würden wir sagen: Null Empathie!
Empathie bedeutet Mitleid, Mitgefühl, das tiefe Hineindenken in den Schmerz eines anderen. Der biblische Begriff dafür heißt Barmherzigkeit. Warum handelten Priester und Levit so abgrundtief kalt? Weil ihre religiöse Selbstgerechtigkeit ihr Herz betäubt hatte! Sie dachten vielleicht an rituelle Reinheitsgebote oder daran, dass das Leid des Mannes sie nichts anginge.
Diese Empathielosigkeit ist bis heute die giftige Frucht von Selbstgerechtigkeit. Wir sehen das in unserer Gesellschaft überall: Wer sich selbst für erhaben hält, schaut voller Verachtung auf jene herab, denen das Leben übel mitgespielt hat. Schnell fallen abwertende Worte über Mitmenschen – man stempelt sie als faule Schmarotzer oder Wutbürger ab. Die Wurzel solcher Kälte ist immer dieselbe: der Stolz, der sich einbildet, besser zu sein als die anderen.
Der Samariter: Barmherzigkeit wird zur Tat
Und dann führt Jesus die dritte Person ein – ausgerechnet einen Samariter:
„Ein Samariter aber kam auf seiner Reise in seine Nähe, und als er ihn sah, hatte er Erbarmen; und er ging zu ihm hin, verband ihm die Wunden und goss Öl und Wein darauf, hob ihn auf sein eigenes Tier, führte ihn in eine Herberge und pflegte ihn.“
— Lukas 10,33–34
Für die jüdischen Zuhörer war das ein ungeheurer Schock. Samariter galten als verhasste religiöse Mischlinge, als Außenseiter, mit denen man keinen Umgang pflegte. Doch dieser Mann bildet den radikalen Gegenpol zur religiösen Kälte:
- Er sieht hin: Er wendet den Blick nicht ab, sondern lässt das Elend an sich herankommen.
- Er empfindet Erbarmen: Das Leid des Fremden geht ihm durch und durch; es ficht ihn innerlich an.
- Er handelt: Wahre Barmherzigkeit bleibt niemals bei bloßen Lippenbekenntnissen oder billigem Mitleid stehen. Barmherzigkeit ist ein Tun!
Der Samariter kniet sich in den Staub. Er nimmt sein eigenes Öl und seinen Wein – damals kostbare Heilmittel zur Desinfektion und Schmerzlinderung –, reinigt und verbindet die klaffenden Wunden. Er hebt den Halbtoten auf sein eigenes Reittier, geht selbst zu Fuß nebenher, bringt ihn in Sicherheit und wacht in der Nacht an seinem Krankenbett.
Am nächsten Morgen gibt er dem Wirt zwei Denare – den Gegenwert von zwei vollen Tageslöhnen, die eine wochenlange Versorgung sicherten – und verspricht: „Verpflege ihn; und was du mehr aufwendest, will ich dir bezahlen, wenn ich wiederkomme.“ Das ist opferbereite, praktische, zupackende Liebe, die keine Kosten und Mühen scheut.
Die Umkehrung der Frage
Am Ende wendet sich Jesus an den Gesetzesgelehrten mit einer bestechenden Frage:
„»Welcher von diesen dreien ist deiner Meinung nach nun der Nächste dessen gewesen, der unter die Räuber gefallen ist?« Er sprach: »Der, welcher die Barmherzigkeit an ihm geübt hat!« Da sprach Jesus zu ihm: »So geh du hin und handle ebenso!«“
— Lukas 10,36–37
Der Schriftgelehrte bringt es vor lauter Stolz nicht einmal über die Lippen, das Wort „Samariter“ auszusprechen. Doch er muss die Wahrheit bekennen: Der Nächste ist jener, der Barmherzigkeit getan hat.
Jesus dreht die ursprüngliche Fragestellung genial um. Es geht nicht darum, theoretisch zu definieren, wer alles zu unserem erlesenen Kreis von „Nächsten“ gehört. Die entscheidende Frage lautet: Bist du bereit, demjenigen zum Nächsten zu werden, der dir vor die Füße gelegt wird?
Die Praxis: Wie Barmherzigkeit unser Leben verändert
Wie können wir diese Lektion Jesu in unserem Alltag umsetzen? Jesus fordert den Mann – und uns – heraus: „Geh hin und handle ebenso!“ Doch das können wir nicht aus eigener Kraft oder durch gesetzliche Anstrengung. Der Weg zur Barmherzigkeit führt immer über das persönliche Bekenntnis:
Ich selbst bin der verletzte, hilflose Mensch, der an der Straße lag! Ich selbst brauche jeden einzelnen Tag die unverdiente Gnade und das Erbarmen von Jesus Christus.
Wenn wir morgens aufwachen, verfehlen wir Gottes heiligen Maßstab bereits in Gedanken und Motiven. Doch anstatt uns mit dem Gericht zu zerschlagen, begegnet Jesus uns täglich mit grenzenloser Geduld, Vergebung und Liebe. Wenn dir diese Wahrheit im Herzen aufgeht, dann schmilzt die harte Schale der Selbstgerechtigkeit. Du kannst nicht mehr hochmütig auf deinen Nächsten herabsehen, wenn du weißt, dass du selbst von Kopf bis Fuß von der Barmherzigkeit Gottes lebst!
Wer ist dein Nächster?
Dein Nächster ist schlichtweg jeder Mensch, der dir als nächstes über den Weg läuft:
- Dein Ehepartner mit seinen Eigenheiten und Schwächen,
- deine Kinder, die Geduld und Führung brauchen,
- deine Arbeitskollegen an der Werkbank, im Büro oder auf der Baustelle,
- dein schwieriger Nachbar, der dir das Leben schwer macht,
- deine Geschwister in der Ortsgemeinde.
Wir wissen alle nicht, wie viel Lebenszeit uns mit den Menschen um uns herum noch bleibt. Es gilt das einfache, aber tief wahre Lebenswort: Blumen an Lebende zu verschenken ist unendlich viel schöner, als sie später auf ein Grab zu legen!
Warte nicht, bis jemand nicht mehr da ist, um im Nachhinein wehmütig zu bekennen, was für ein wertvoller Mensch er war. Sag das ermutigende, gnädige Wort heute! Vergib heute! Tritt dem anderen auf Augenhöhe gegenüber, suche aktiv sein Bestes und begegne ihm mit jener Barmherzigkeit, die Jesus dir jeden Tag aufs Neue schenkt.

Impulse zum Mitnehmen für deinen Alltag
- Selbstgerechtigkeit schonungslos entlarven: Achte in den kommenden Tagen auf deine inneren Monologe. Wo ertappst du dich dabei zu denken: „Ich mache alles richtig, aber die anderen versagen ständig“? Bitte Jesus, diesen verborgenen Stolz in deinem Herzen aufzudecken und zu zerbrechen.
- Täglich aus der Vergebung leben: Erinnere dich jeden Morgen als Erstes daran, dass du vor Gottes heiligem Maßstab vollkommen ungenügend bist – und dass Jesus dir dennoch mit offenen Armen und überströmender Gnade begegnet. Diese Haltung bewahrt dich vor religiösem Hochmut.
- Vom Sehen zum Handeln übergehen: Barmherzigkeit ist kein diffuses Gefühl, sondern eine bewusste Tat. Wenn du in dieser Woche Not bei einem Menschen wahrnimmst – sei es materielle Bedürftigkeit, Einsamkeit oder seelischer Schmerz –, dann wechsle nicht die Straßenseite. Halte an und hilf ganz konkret.
- Blumen zu Lebzeiten verschenken: Warte nicht auf besondere Anlässe, um Liebe und Dankbarkeit zu zeigen. Sprich heute einem Menschen in deinem Umfeld ein aufbauendes, versöhnliches Wort zu.
- Begegnung auf Augenhöhe suchen: Behandle Menschen nicht von oben herab, ganz gleich, welchen Status, welche Herkunft oder welche Fehler sie haben. Suche stets das Wohl deines Gegenübers.
Fragen und Antworten zur Predigt
Das Gleichnis zeigt auf eindrückliche Weise, dass wahre Liebe keine ethnischen oder religiösen Grenzen kennt, sondern sich sofort in praktischer, opferbereiter Tatkraft am notleidenden Mitmenschen erweist.
Er scheitert an seinem eigenen Leistungsdenken, weil er glaubt, sich das ewige Leben durch Werke verdienen zu können, anstatt zu erkennen, dass das Gesetz ihm seine völlige Unfähigkeit zur eigenen Rettung vor Augen führen soll.
Selbstrechtfertigung ist der hartnäckige menschliche Versuch, vor Gott durch eigene Leistung, Frömmigkeit oder Entschuldigungen als gerecht dazustehen, anstatt die eigene Sündhaftigkeit einzugestehen und Gottes Gnade im Glauben anzunehmen.
Gemeinsam mit der Liebe zu Gott bündelt dieses Gebot die Kernaussage des Gesetzes: Es fordert dazu auf, dem Wohl des Mitmenschen mit derselben Hingabe, Fürsorge und Barmherzigkeit zu begegnen wie den eigenen Bedürfnissen.
Sie zogen formale religiöse Pflichten, Angst vor ritueller Unreinheit und persönliche Bequemlichkeit der akuten Lebensrettung vor und offenbarten damit ein Gesetz ohne lebendige Herzensbarmherzigkeit.
Zwischen Juden und Samaritern herrschte jahrhundertelange religiöse und ethnische Feindschaft; sie mieden jeden gesellschaftlichen Umgang und verachteten einander zutiefst, was das Handeln des Samariters im Gleichnis umso revolutionärer macht.
Wahre biblische Barmherzigkeit bleibt nicht beim inneren Mitgefühl stehen, sondern führt unmittelbar zu entschlossenem, praktischem Handeln, das persönliche Ressourcen an Zeit, Geld und Zuwendung opfert.
Jesus ist der wahre Samariter, der in unsere geistliche Todesnot herabgestiegen ist, unsere Sündenwunden verbindet und den vollen Preis unserer Errettung bezahlt hat, als kein religiöses System uns helfen konnte.
Gott sieht nicht nur auf das äußere Werk, sondern auf die Herzenshaltung; selbst die anscheinend frömmste Tat ist wertlos, wenn sie aus Heuchelei, Stolz oder zur Selbstrechtfertigung anstelle aufrichtiger Liebe geschieht.
Indem man sich täglich neu bewusst macht, wie viel unverdiente Vergebung man selbst von Gott empfangen hat; aus dieser Dankbarkeit heraus wächst die Bereitschaft, den Nächsten nicht nach Sympathie, sondern mit den liebenden Augen Christi zu sehen.
Abschluss & Einladung
An welcher Wegkreuzung stehst du heute? Bist du innerlich versucht, an der Not der Menschen in deinem Umfeld vorbeizugehen, weil deine eigenen Pläne, deine Bequemlichkeit oder deine religiösen Traditionen dir wichtiger sind? Oder bist du bereit, dich von Jesus anrühren zu lassen und dem Nächsten mit offenen Händen zu dienen?
Wir laden dich von Herzen ein, diesen Weg nicht allein zu gehen. Der Glaube wächst in der verbindlichen Gemeinschaft von Menschen, die wissen, wie sehr sie auf Gottes Gnade angewiesen sind. Komm gerne zu unseren Gottesdiensten, nimm Anteil an unserer Gemeinschaft und lass uns gemeinsam lernen, ein Echo der Barmherzigkeit unseres Herrn Jesus Christus in dieser Welt zu sein!








